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Gepostet by on Okt 22, 2019 in Blog |

Gender Pay Gap

Unsere Autorin Lea Franz studiert Philosophy & Economics in Bayreuth und hat sich im Rahmen ihres Studiums mit bewussten und unbewussten Vorurteilen beschäftigt. Während ihres Aufenthaltes an der Deutsch-Jordanischen Universitität (GJU) hat Lea viel über verschiedene Frauenbilder gelernt. In ihrer Freizeit liest Lea gerne feministische Literatur.

Heute werden nicht mehr nur Jobs gesucht, die den Lebensunterhalt finanzieren können, sondern dabei auch sinnstiftend sind. Viele möchten sich nicht mehr nur zum Feierabend hinarbeiten und sich von Urlaub zu Urlaub vertrösten.

Neben diesen Anforderungen spielen auch faire Bedingungen am Arbeitsplatz eine wichtige Rolle. Ein Thema, dem zurecht immer mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird. Deswegen möchten wir uns in diesem Blogbeitrag einer spezifischen Ungerechtigkeit widmen, die es zu überwinden gilt: Der Gender Pay Gap, also der Lohnlücke zwischen Frauen und Männern.

Früher war der Arbeitsmarkt von Männern dominiert. Deswegen waren die Strukturen auch zu ihrem Vorteil designt. Frauen müssen heute immer noch kämpfen, um sich in dieser Struktur zurecht finden zu können. In ihrem Bestseller „Frauen und Macht” bringt Mary Beard diesen Sachverhalt auf den Punkt: “You cannot easily fit women into a structure that is already coded as male; you have to change the structure.”  Es reicht nicht einfach aus, Frauen in männliche Strukturen zu drängen. Stattdessen müssen sich die Strukturen ändern, in denen wir uns alle bewegen. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt auf, dass es hinsichtlich dieser Strukturen (glücklicherweise) bereits große Veränderungen gab.

Vor hundert Jahren, im Januar 1919, durften Frauen zum ersten Mal zur Wahlurne treten und wählen. Heute gehen Frauen ohne die Einverständniserklärung ihres Mannes arbeiten und besitzen ihr eigenes Bankkonto. Alles Dinge, die heute selbstverständlich sind. Dieses Jahr war in Berlin sogar der internationale Frauentag am 8. März ein gesetzlicher Feiertag. Das ist erstmalig, zeigt aber auch: Es gibt noch einiges zu tun! Nach wie vor werden Frauen immer noch in der Arbeitswelt vor viele Herausforderungen gestellt.

Die Gender Pay Gap

Der Blick in die Gegenwart zeigt, dass einige Strukturen noch nicht aufgebrochen worden sind: Statistisch gesehen müssen Frauen in Deutschland 77 Tage mehr arbeiten, um am Jahresende das Gleiche verdient zu haben wie Männer. Ausgehend vom Jahresanfang bedeutet das, dass Männer erst ab dem 18. März beginnen müssten zu arbeiten, um am Ende des Jahres genauso viel Lohn wie Frauen zu erhalten. Um auf diese Ungerechtigkeit in der Bezahlung hinzuweisen,nd am 18. März 2019 der Equal Pay Day statt. Dieser Tag soll den Gender Pay Gap, also den geschlechtsspezifischen Gehaltsunterschied zwischen Männern und Frauen veranschaulichen. In der aktuellen Diskussion hört man immer wieder von verschiedenen Prozentzahlen zur Gender Pay Gap. Aber wie hoch ist er denn jetzt nun – 21% oder doch nur 6%?

Gender Pay Gap ist nicht gleich Gender Pay Gap

Der Equal Pay Day bedient sich der so genannten unbereinigten Gender Pay Gap, um vor allem auf die strukturellen Probleme aufmerksam zu machen, die zu einer Unterbezahlung von Frauen führt. Dieser setzt die Brutto-Stundenlöhne von Frauen und Männern ins Verhältnis. Ungeachtet, in welcher Branche und Position sie arbeiten. Die unbereinigte beträgt in Deutschland momentan 21 %, das sind immerhin 5% mehr als im EU-Durchschnitt.

Etwa 75% der Lohnlücke kann auf strukturelle Unterschiede zurückgeführt werden. Genau das berechnet die „bereinigte“ Gender Pay Gap. Sie rechnet den Teil des Verdienstes heraus, der auf strukturelle Unterschiede wie Beschäftigungsumfang, Erfahrung und Berufswahl rückzuführen ist. Beispielsweise arbeiten Frauen häufiger in Teilzeit oder verpassen, während der Mann arbeiten geht, in ihrer „Babypause“ entscheidende Karrieresprünge. Dieser beträgt zurzeit in Deutschland in etwa 6%. Auch wenn das deutlich geringer ist, sind 6% immer noch keine Kleinigkeit. Bei einem Monatsbruttogehalt von 5000 Euro wären das immerhin 300 Euro weniger für eine Frau. Auf ein gesamtes Jahr gerechnet entspräche das 3600 Euro.

So scheint es, dass zwei verschiedene Gender Pay Gaps existieren, aber welche ist denn nun die Richtige? Die Frage lässt sich nicht so leicht beantworten. Denn bereinigte und unbereinigte Gap zeigen zwei unterschiedliche Sachverhalte auf: Die bereinigte rechnet den erklärbaren Teil heraus, zum Beispiel, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten oder geringere Qualifikationen aufweisen. Oder, dass sie häufiger in stereotypisch charakterisierten „Frauenberufen“ arbeiten wie zum Beispiel als Erzieherinnen oder Krankenpflegerinnen. So wird der Teil der Lohnlücke aufgezeigt, der „unerklärt“ bleibt.

Struktureller Wandel notwendig

Man muss nicht lange suchen, um die Ursachen für die ungleiche Entlohnung von Frauen und Männern ausfindig zu machen. Immerhin sind fast drei Viertel auf strukturelle Ursachen zurückzuführen. Teilzeitarbeit, mangelnde Ausbildung, längere Babypausen. Typische „Frauenberufe“ werden immer noch unterbezahlt. Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt mit vielen Hürden konfrontiert. Sowohl bewusst als unbewusst sehen sich viele Frauen als eher familien- anstatt berufsorientiert. Dies hat Auswirkungen auf Gehaltsverhandlungen und die Bereitschaft in Mitarbeiterinnen zu investieren. Fehlende Kita-Plätze erschweren den Wiedereinstieg in den Beruf zusätzlich. Das sind nur einige Ursachen, die den Gehaltsunterschied bedingen. Es wird klar: Ein komplexes Geflecht aus strukturellen Gründen führt zur Benachteiligung von Frauen auf dem Arbeitsmarkt.

Das sind nicht einfach Dinge, wie von einigen unterstellt wird, für die sich Frauen bewusst entscheiden würden. Vielmehr ist dies zurückzuführen auf die vorherrschende Unternehmenskultur, die politischen Rahmenbedingungen und die Bedingungen des heutigen Arbeitsmarktes. Diese müssen sich ändern! Auf großer politischer Ebene sowie bis hin zu einzelnen Personalentscheidungen.

Fest steht: Das Frauenbild ist in stetiger Veränderung. Es gibt eine neue Diskussion in der Gesellschaft über die Rollenverteilung. Die Arbeitswelt wandelt sich ebenso schnell. Dass Männer zu Hause bleiben und die Kinderbetreuung übernehmen, ist heute kein Einzelfall mehr. Frauen arbeiten heute immer mehr in MINT- Berufen und ein geringer Prozentsatz auch in Unternehmensvorständen – ein aktuelles Beispiel ist Jennifer Morgan, die seit ein paar Tagen als erste Frau in einem DAX-Konzern als Vorstand fungiert. Homeoffice sowie flexible Arbeitszeiten ermöglichen, dass Familie und Beruf keine Gegensätze mehr sind. Dennoch sind dies bloß erste Ansätze, und es bleibt ein langer Weg hin zu einer kompletten Gleichberechtigung in der Arbeitswelt.

Quellen:

https://www.berlin.de/aktuelles/berlin/5652179-958092-nun-auch-offiziell-frauentag-wird-feiert.html

https://hundertjahrefrauenwahlrecht.de/meilensteine/

https://www.equalpayday.de/ueber-epd/

https://www.tagesschau.de/faktenfinder/inland/genderpaygap-103.html

https://www.boeckler.de/52854.htm#

https://www.zeit.de/karriere/2016-03/gender-pay-gap-frauen-maenner-gehalt-unterschiede-studie

https://www.zeit.de/karriere/beruf/2015-06/diskriminierung-frauen-fuehrungsposition

https://www.zeit.de/wirtschaft/2019-03/gehaltsunterschiede-gender-pay-gap-gleichberechtigung-diskriminierung-arbeitsplatz

https://www.amazon.de/Frauen-Macht-Manifest-Mary-Beard/dp/3103973993

https://www.amazon.de/What-works-Verhaltensdesign-Gleichstellung-revolutionieren/dp/3406712282/ref=sr_1_2?__mk_de_DE=%C3%85M%C3%85%C5%BD%C3%95%C3%91&crid=3TFDA8EMJKQ6C&keywords=what+works&qid=1568450508&s=books&sprefix=what+wor%2Cstripbooks%2C179&sr=1-2

https://www.sueddeutsche.de/karriere/gehalt-kind-frauen-ungerechtigkeit-1.4303712

 

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